LFS = Linux From Scratch, d.h. hier wird ein Linuxsystem von Grund auf neu aufgebaut - alles wird aus den Quellcodes selbst übersetzt (ein bereits laufendes Linux-System ist hierzu Voraussetzung).

Das ganze wird in Form eines Buches beschrieben und man weiß danach recht gut über die grundlegenden Zusammenhänge eines Linux-Basissystems Bescheid.

Homepage: http://www.linuxfromscratch.org/

LFS ist natürlich nicht so schnell zu installieren, wie eine Standardinstallation einer RedHat oder SuSE - man sollte also schon einige Stunden/Tage einplanen und sich nicht gerade den langsamsten Rechner für die Compiles aussuchen. Lustiges Detail: Als erstes Paket bei der LFS-Installation werden die Binutils übersetzt, und in der Folge wird die Zeit zum Übersetzen aller Pakete in "Einheiten relativ zur Binutils-Bau-Zeit" angegeben, damit man jeweils weiß, was auf einen zukommt.

Wenn man das mal gemacht hat, diese manuellen Schritte aber nicht immer wieder durchführen will, schaut man sich am besten mal nALFS an, damit kann man das über XML-Profile automatisiert ablaufen lassen und kann dann zugucken. ;)

Für über LFS hinaus gehende Installation gibt es dann noch Beyond LFS = BLFS. Da LFS selbst wirklich nur ein absolutes Minimalsystem ist, beschreibt BLFS, wie man dieses System mit Leben (XFree86, Windowmanager usw.) füllt.

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Kommentare & Meinungen


Mein Senf dazu:

Zeitaufwendig mag es sein, definitiv nichts, um mal eben an einem Vormittag 10 Rechner zu installieren.

Aber für mich war es der einzige Ausweg, um auf meiner Workstation endlich dem Distributionswahnsinn zu entgehen. Man will die neueste Gnome- oder KDE-Version anschauen? Kein Problem, einfach übersetzen und dahin tun, wo man es für richtig hält. Kein Paketmanager, der querkommt und sich über irgendwelche Probleme mit Abhängigkeiten beschwert. Nicht lange nach Paketen für die eigene Distribution suchen. Einfach loslegen. Klasse.

Wer einen richtig schnellen (d.h.: schnellen) Rechner oder viel Zeit hat und keine Distributionen ("Ey, haste schon die neue SuSE 8.1? Nee? Soll ich Dir ma brennen?") mehr ertragen kann, sollte sich LFS definitiv anschauen. Auf meinem P4/2.3G hat es bis zum ersten Boot 4 Stunden gedauert, KDE lief nach ca. 2 Tagen. Leider dauert bei KDE schon allein die Übersetzung jedes Pakets ein gutes Stündchen. Viel Erfahrung mit dem Übersetzen von Software kann nicht schaden, denn hier und da kann es doch mal hängen, und wenn man dann weiß, wo man zu schauen hat, kommt man sicher besser voran.

Definitiv nichts für Anfänger, und wer lernen will, sollte sich die grundlegenden "Kulturtechniken" (also die Sache mit den Bibliotheken und dem Übersetzen und mit der Frage, wo man ein Stück Software hininstallieren will) erstmal in einer freundlicheren Umgebung aneignen.

Mir hat LFS endgültig den Respekt vor den Distributoren ("Wir machen das schon für Dich, Kleiner!") genommen, denn soooo kompliziert, wie sie es uns weismachen wollen, ist das ganze nun doch nicht. :)

-- MartinSchmitt


Meine Erfahrungen

Sicher ist die Installation zeitaufwendig: Ich habe mit einem P3/400 2 Tage gebraucht, bis alle Pakete kompiliert waren. Nach weiteren 3 Tagen habe ich jedoch dann auch Apache, PHP, SSH und einige andere für mich wichtige Pakete drauf gehabt - nur mit dem Mailserver gabs länger Probleme :-)

Dafür weiss ich jetzt genau, was auf meinem System drauf ist, kann ich zum Beispiel schnell sagen: "Dieser Wurm/Bug betrifft mich nicht, da die Software nicht installiert ist."

Bezüglich Konfiguration hatte ich das Vergnügen, bei Wachsen des /etc-Verzeichnisses zusehen zu können und sogar selbst mitzuwirken. So weiss ich jetzt - im Gegensatz zu den meisten Suse & co-Usern - was in jeder einzelnen Datei steckt. (Es sind übrigens nur ca. 40). Schliesslich habe ich noch die Start-Skripts verändert, was bei Distributionen wegen Inkompatibilitäten nicht möglich gewesen wäre. Unterdessen habe tatsächlich das Gefühl, dass das System das tut, was ich will.

Ich weiss allerdings nicht, ob ich LFS auch für den Desktop nutzen würde, denn meine Web-Server-Installation kommt ohne X-Windows aus...

Selbst, wenn ich den PC jetzt nicht produktiv als Web-Server betreiben würde, hätte es sich gelohnt, denn ich kenne niemanden, der mit innert 5 Tagen auch nur einen Bruchteil von dem Wissen hätte vermitteln können, das ich mir so zum Nulltarif erarbeitet habe :-) -- DanielAlder


Die Vorteile liegen auf der Hand:

Mit LFS habe ich voll selbst unter Kontrolle wo was installiert wird, keine überflüssigen Pakete, kein zugemülltes /etc/ - Verzeichnis, keine Scripte von denen ich nicht weiß welche Konzepte dahinterstecken und wozu man sie braucht...

Mein Startup meines P200 mit LFS geht doppelt so schnell wie eine minimale (!!) SuSE Installation auf nem AMD K6 300. Es werden eben keine überflüssigen Dienste gestartet wie inetd (für lächerliche 2 Dienste...), kein finger, kein sunrpc, kein cups/lpd (vor allem wenn das System überhaupt keinen Drucker angeschlossen hat), etc...

Meiner Meinung nach muss man LFS hinter sich gebracht haben um Ahnung zu haben wie Linux funktioniert. Da stimme ich Daniel voll und ganz zu. - Ich bin zufrieden damit, allerdings braucht man schon einige Erfahrung im Umgang mit Kompilieren/Installieren (ich meine aus tarballs, nicht rpm) von Software. Cut and Paste aus dem LFS-Buch geht nur bedingt - ist aber zu schaffen. -- AndreasBaier

LFS (zuletzt geändert am 2007-12-23 22:47:16 durch localhost)